| Geistliche Impulse |
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Diözesanpräses Pfr. Wilfried Wittmann hat eine Andacht verfasst, die sich auf die Themenkampagne des Bundesverbandes bezieht. Diese Andacht könnte in den Kolpingsfamilien bei verschiedenen Anlässen sehr gut genutzt werden.
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Viele Menschen in unserer Welt leben in Not und Elend. Manche müssen verhungern, vor allem Kinder in den armen Ländern. Und dann gibt es andere, die nicht wissen, was sie mit ihrem Reichtum anfangen sollen. Das ist nicht recht. In unserem Partnerland Nicaragua geht es uns besonders um die Unterstützung der Schule in Masaya. Viele Menschen leben in Ländern, in denen fast immer Krieg ist. Kinder verlieren die Eltern, Eltern die Kinder.
Aber auch bei uns, ganz in der Nähe leben Menschen, die keine Wohnung haben. Oder Menschen aus anderen Ländern, denen viele von uns abweisend begegnen.
Auch in unserer Nachbarschaft leben Menschen, die arbeitslos sind, die mit Sozialhilfe auskommen müssen, oder die eine zu geringe Rente bekommen, oder solche, die keine Freunde haben und mit denen niemand redet.
So eine Welt ist keine gute Welt. So viel stimmt da nicht und wir selbst tun oft so wenig dafür, dass unsere Welt eine bessere wird, in der Frieden und nicht Krieg, Liebe und nicht Hass, Barmherzigkeit und nicht Selbstsucht regieren.
Gebet:
Gütiger Gott. Zeig du uns an Jesus, wie wir auch im Sinne unseres Vorbildes Adolph Kolping, handeln sollen. Öffne unsere Augen, Herz und Hände für die, die uns brauchen. Lass uns nicht achtlos an Ihnen vorüber gehen. Und gib uns die Kraft uns besonders in unseren Kolpingsfamilien als Christen zu begegnen, damit wir unserem Motto "Kolping – für eine menschenwürdige Zukunft" gerecht werden.

Diese Begriffe sind für uns keine Fremdworte, sie gehören nicht nur zu der bundesweiten Image-Kampagne, sondern werden von uns gelebt in dem Projekt "Kolping - für eine menschenwürdige Zukunft".
In unterschiedlichen Schriftarten stehen die Begriffe für die Vielfältigkeit unseres Verbandes und der Kolpingsfamilien. Auf orangefarbenem Grund, denn Orange steht als Farbe für Optimismus, Frische, Freude, Energie, für Geselligkeit und Kommunikation – und natürlich für Kolping.
Es geht hier aber nicht um die Begriffe, sondern um Lebenshaltungen. Solche, von denen auch Adolph Kolping begeistert war, die er in die Welt hinein gepflanzt hat, um uns mit Mut und Freude ans Werk zu machen für die Verantwortung in der Welt.
Adolph Kolping war ein Mensch, der begeistern konnte!
Unsere Begeisterung muss kreativ werden, wie es ein seliger Kolping war, der nicht resignierte angesichts dessen, was er in der Welt sah und was er erleben musste.
Seine Begeisterung schaffte es, sich eine neue Welt vorzustellen, eine Welt auszumalen, auszudenken, eine Welt, in der ein Traum verwirklicht wird:
Der Traum vom neuen Himmel und der neue Erde.
Unsere Begeisterung muss Hände bekommen, die Hand anlegen an dieser kranken Welt, heilende Hände, die die Tränen abtrocknen und Wunden verbinden. Hände, die sich nicht abfinden mit der Unerlöstheit dieser kranken Welt.
Unsere Begeisterung muss Füße bekommen, die sich wundlaufen für das Heil der Welt, denen kein Weg zu weit und zu schwer ist, zu den Menschen zu gehen, die den Weg Jesu Christi weiter gehen, die Gott hier auf Erden in Gang bringen.
Unsere Begeisterung muss Worte bekommen, die die Menschen verstehen,
ein rechtes Wort zur rechten Zeit, Worte, die Trauer tragen, Worte, die trösten, Worte, die Freude schenken.
Adolph Kolping hat diese Begeisterung gelebt. Er wusste sich getragen von Jesu. In und mit ihm hat der neue Himmel und die neue Erde begonnen,
haben Menschen gespürt, Gottes Geist verwandelt.
Gott hat den Anfang gemacht in seinem Sohn und Menschen Heil geschenkt.
Adolph Kolping hat weitergemacht und sich mit Gottvertrauen an sein Werk gewagt. Wir müssen weiter machen voller Begeisterung und mit viel Gottvertrauen, damit der Geist Gottes die Welt verändern kann.
Wir dürfen leben mit dieser Gewissheit, dass Gott seinen Geist schenkt
und wir Begeisterte sein können. Gerade auch in unserer Zeit brauchen wir immer wieder diese Botschaft. Wir brauchen nicht die Verdoppelung unserer Resignation, sondern die Sprengkraft gelebter Hoffnung.
Und wir dürfen begeistert sein von dieser Hoffnung, weil Gott uns seinen Geist über uns ausgießt, weil er uns die Kraft schenkt als Propheten zu leben, als Menschen, die von diesem Neuen, das kommen wird, nicht nur träumen, sondern die die Kraft haben, sich für dieses Neue einzusetzen.
Müde sein
und doch andere aufmuntern,
Sich verlassen fühlen
und doch andere zum Lächeln bringen.
Selber voller Fragen stecken
und sich Ratsuchenden doch nicht verweigern.
Gehetzt sein
und doch andere nicht mit Ausreden abwimmeln.
Schmerzen haben
und doch anderen gegenüber Geduld aufbringen.
Belastet sein
und doch anderen tragen helfen.
Nach einem Ausweg tasten
und doch die Hand eines anderen nicht loslassen.
Vieles entbehren
und doch anderen nichts missgönnen.
Enttäuscht sein
und doch anderen einen Streifen Hoffnung vorleben.
Sich ausgebrannt vorkommen
und doch anderen helfen, Sinn zu finden.
Betend selber ohne Antwort sein
und doch anderen den Glauben erlebbar machen.
Mit Ärger angefüllt sein
und doch den Gruß jedes anderen erwidern.
Enttäuscht sein
und doch die Fehler der anderen
nicht an die große Glocke hängen.
Keinen Dank bekommen
und doch unentwegt für andere da sein.
Kolping vermittelte Freude am Beten, Lernen und Arbeiten und konnte so Menschen gewinnen. So können wir es in unserem Leitbild lesen und erfahren diese wichtige Charaktereigenschaft von Kolping, mit Freude etwas zu tun und nicht weil es ein "Muss" ist.
"Also nur guten, fröhlichen und frischen Mut, und wenn das Stück Arbeit auch noch so riesig aussehen sollte. Der große Gott, der die hohen Alpen aufgetürmt hat, der das ungeheure Weltmeer ausgegossen, hat auch die Pfade gezeigt, die über die Berge führen, und das Holz leicht gemacht,
dass es auf dem Wasser schwimmt, und Wind dazu, dass man rund um die Erde segeln kann."
Mit diesen Worten macht uns Kolping selbst Mut uns daran zu wagen uns selbst und damit die Zustände zu verbessern, wie es im Leitbild heißt.
Gerade dieses Stichwort "Mut" gehört sozusagen zu Kolping.
Immer wieder betont er, dass wir uns mutig ans Werk machen können, weil wir Gott auf unserer Seite wissen dürfen. Und Kolpings ganzes Leben erzählt davon, wie es gelingt, mit Mut und Gottvertrauen sein Leben zu gestalten.
Ein Stichwort, genauer eine Lebenshaltung, die herausfordert.
"Bin ich denn der Hüter meines Bruders", fragt nicht nur Kain, sondern dies ist die Frage durch die Geschichte der Menschen.
"Was geht mich schon der Andere an", ...wer kennt nicht die Versuchung sich hinter diesem Wort zu verstecken und sich so vor der Verantwortung zu drücken.
Um Kolping selbst zu Wort kommen zu lassen:
Aus dem Jahr 1851 sind folgende Gedanken von ihm überliefert:
"Angenehmer wäre es jedenfalls, wenn man sich die Schlafmütze recht tief über die Ohren zöge, das Haus zumachte und hinter den Ofen kröch'
und sich damit tröstete, hast du die Welt nicht verdorben, brauchst du auch an ihre Besserung nicht zu denken"; viel friedlicher wäre es für die persönlichen Verhältnisse sicher, ganz still zu schweigen, sich mit keinem Menschen zu überwerfen, und sich damit zu begnügen,dass man nur ungeschoren durch die Weit käme.
Wissen wir ziemlich gewiss, was wir nicht können, dann müssen wir doch alle Kräfte anstrengen, das ins Leben zu setzen, was wir können.
Wenn das verhältnismäßig wenig ist, wenn das die Not der Zeit nicht aufhebt,
die im Argen liegende Welt nicht neu gebärt, so denken wir, dass wir eine strenge, ernste, dringende Pflicht haben, das Wenige mit Eifer zu tun.
Weil das Feld klein ist, das wir beackern, ist deshalb unsere Mühe vergeblich, wenn wir uns anstrengen, das kleine Fleckchen Erde da vor uns so fruchtbar zu machen als nur immer möglich?
Angesichts der Welt, in der wir leben und den Nachrichten, die uns tagtäglich berichtet werden, klingt das verwegen.
Was kann ein Mensch oder auch eine kleine Gemeinschaft da schon ausrichten, was können wir verändern?
Kolping macht deutlich: Es sind die Entscheidungen einzelner Menschen,
die Unheil verursachen. Genauso liegt es in der Entscheidung einzelner Menschen, für das Gute zu sorgen. Dieser Verantwortung müssen wir uns stellen.
Adolph Kolping lebte aus einem tiefen Gottvertrauen.
Er war begeistert von Jesus Christus und liebte seine Kirche mit ihren Licht- und Schattenseiten.
Er resignierte nicht angesichts der sozialen Missstände seiner Zeit.
Er machte anderen Menschen Mut, sich selbst und damit die Zustände zu verbessern.
Mit der lebendigen Einheit von Glaube und sozialer Verantwortung gab er seinem Werk die geistige Ausrichtung. In seinem Handeln war er Seelsorger und Sozialreformer zugleich.
In der Sprache des Volkes brachte er christliche Überzeugungen und Wertvorstellungen öffentlich zur Geltung. Er vermittelte Freude am Beten, Lernen und Arbeiten und konnte so Menschen gewinnen.
Adolph Kolping gab ein Zeugnis des Glaubens in seiner Zeit. Als Seliger der Kirche begleitet er auch heute sein Bild und ist uns Vorbild.
Tiefgreifender, umbruchhafter Wandel prägt die Zeit Adolph Kolpings im Übergang von der ständischen Agrargesellschaft zur neuzeitlichen Indu-striegesellschaft, die bis heute durch fortwährende Entwicklungen und Veränderungen gekennzeichnet ist. Der Lebensweg Adolph Kolpings ist davon nicht unberührt geblieben: Den jungen Handwerker, in Kerpen am 8. 12. 1813 geboren, drängt es aufgrund vielfältiger und bedrückender Erfahrungen über seinen engen Lebens- und Wirkungskreis hinaus. Mit 23 Jahren drückt er erneut die Schulbank, es folgt das Studium der Theologie, schließlich die Priesterweihe am 13.4.1845. Als Kaplan in Elberfeld findet Adolph Kolping seine Lebensaufgabe im dort 1847 entstandenen katholischen Gesellenverein, den er als einen Weg zur Lösung sozialer Fragen der Zeit erlebt und versteht. Als Domvikar und Rektor der Minoritenkirche wirkt Adolph Kolping ab 1849 in Köln für die Ausbreitung dieses Werkes. In Wort und Schrift setzt er sich intensiv mit Fragen seiner Zeit auseinander. Sein ganzes Bemühen geht darauf hin, sich den Problemen der Zeit zu stellen und an der Gestaltung der Gesellschaft mitzuwirken. Dank seines unermüdlichen Einsatzes nimmt das Werk einen raschen Aufschwung; beim Tode Kolpings am 4. 12. 1865 existieren bereits mehr als 400 Gesellenvereine in vielen Teilen Europas.
Kolpings Wirken fällt in die Zeit eines weit reichenden Säkularisierungsprozesses, der die prägende gesellschaftliche Bedeutung des Christentums massiv zurück drängte, zugleich auch in immer stärkerem Maße Menschen aus traditionellen Abhängigkeiten "freisetzte", sie aber auch in geistige wie materielle Not und Orientierungslosigkeit "entließ". Kolpings Antwort auf diese Herausforderung: "Das Christentum muss aufs Neue die Welt erobern!" Er erwartet folgerichtig das Heil nicht in erster Linie von Strukturveränderungen (Zuständereform), sondern er sieht den entscheidenden Schritt im Einwirken auf den Menschen (Gesinnungsreform): "Helft eine bessere Zukunft schaffen, indem ihr sie erziehen helft!"
Unter diesen Voraussetzungen lag es für Kolping nahe, Menschen mit gleicher Problem- und Interessenlage zusammen zu schließen und die Chance der Gemeinschaftsbildung zu nutzen. Kolping wollte den Gesellenverein als familienhafte Gemeinschaft Gleichgesinnter, die ihren Mitgliedern Anregung und Hilfestellung für die eigene Lebensgestaltung geben sollte.
Die eigentliche Zielsetzung des Werkes bestand darin, junge Menschen anzuregen, zu begleiten und zu unterstützen, ihr Leben als "tüchtige Christen" in Beruf, Familie und Gesellschaft zu führen. Durch das Wirken vieler tüchtiger Christen konnte sich in der Vorstellung Kolpings nach und nach ein positiver sozialer Wandel erreichen lassen. Der Verein selbst bot das notwendige Maß an "Heimat", um überhaupt die Voraussetzung dafür zu schaffen, aus sich etwas zu machen.
Recht verstanden können Wollen und Handeln Kolpings durchaus unter der Formel "Sozialer Wandel durch Veränderung des Menschen" gestellt werden. Das Werk selbst ist nicht mehr und nicht weniger als ein "Instrument", das sich, wie Kolping selbst immer wieder betont, neu auf die Herausforderungen der Zeit einzustellen und einzulassen hat, ohne die wesentlichen Grundlagen aufzugeben. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Geschichte des Verbandes zu verstehen, der ja vielfältige Wandlungen und Entwicklungen durchgemacht hat, von den ersten Anfängen des katholischen Jünglingsvereins in Elberfeld bis zum heutigen Internationalen Kolpingwerk.
Ist der aufgezeigte Weg Adolph Kolpings noch aktuell? Seit der Zeit Kolpings hat sich die Gesellschaft verändert. Die menschlichen Grundbedürfnisse sind geblieben. Den gesellschaftlichen Herausforderungen von heute und morgen und den Grundbedürfnissen des Menschen muss sich das Kolpingwerk stellen, wenn es den Anforderungen des Gründers gerecht werden will.
