Man kann auch demonstrieren, ohne die Veranstaltung Demo zu nennen, ohne Transparente, Losungen und laute Reden. Wie das geht, erlebte man wieder bei einer Friedenswanderung in Maribor in Slowenien. Es ist keine wie auch immer geartete Wanderung, es ist eine, die vor allem die Bitte und das Gebet um Frieden sein will.

Adolph Kolping umschrieb sein wichtigstes Ziel einmal mit dem Satz „Nur bessere Menschen machen die Zeiten besser“. Kolping baute Brücken: zwischen Kirche und Menschen und zwischen Menschen untereinander. Und genau da hat der damalige Schweizer Nationalpräses Josef Eberli angesetzt und die Kolpingmitglieder Europas zu einem Friedenspilgermarsch unter dem Leitgedanken „Frieden in Freiheit“ im Jahre 1968 nach Sarnen (Schweiz) eingeladen. Dass daraus die „Internationale Kolping-Friedenswanderung“ wurde, die von da an jährlich an unterschiedlichen Orten in Europa durchgeführt wird, ist den Persönlichkeiten der ersten Stunde zu verdanken.

Unter dem Motto „In der Einheit liegt die Kraft!“ war diesmal die Kolpingsfamilie Maribor (Slowenien) Gastgeber des Pilgermarsches um auf die aktuellen friedenspolitischen Entwicklungen aufmerksam machen. Und Mitglieder aus Bamberg, die regelmäßig an der Internationalen Friedenswanderung teilnehmen, machten sich mit 160 Gefährten aus Deutschland, Kroatien, Luxemburg, Österreich, Rumänien, der Schweiz, Slowenien und Südtirol auf den Weg.

Nach der Anmeldung und dem Bezug der Quartiere trafen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Eröffnungsgottesdienst in der Kathedrale von Maribor. In der Predigt griff der Erzbischof von Maribor, Alojzij Cvikl SJ den Friedensgedanken auf. „Wenn wir Frieden schaffen wollen, müssen wir einen Weg der gemeinsamen Achtung, der Zusammenarbeit und des gegenseitigen Kennenlernens beschreiten“, so der Bischof. Frieden sei keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Gabe. Wer für eine echte, sichere Zukunft arbeiten will, könne seine Arbeit nur auf dem soliden Fundament des Friedens aufbauen.

Bei den beiden Friedenspilgermärschen am Freitag und Samstag, die bei gutem Wanderwetter vorbei auch an viel Interessantem und Beeindruckendem führten und die Teilnehmer einen ersten Einblick in die Schönheit der zweitgrößten Stadt von Slowenien (97.000 Einw), seit 2012 auch Kulturhauptstadt Europas, gab.

Die erste Etappe über 12 km führte hinauf in die Destination Rogla – Pohorje. Rogla (1517 m) ist eine der höchsten Erhebungen und liegt inmitten einer abwechslungsreichen und atemberaubenden Naturlandschaft. Besucher können hier in dem beliebten Outdoor-Zentrum verschiedensten Freizeit- und Sportaktivitäten nachgehen. Auch wenn der Weg hinauf zu dem Aussichtspunkt die eine oder andere Schweißperle kostete, wurde man oben angekommen dafür belohnt mit einer tollen Aussicht. Eine Andacht in der Verklärungskirche Jesu auf Rogla – einer Kirche von ungewöhnlichem Aussehen und eines der seltenen Beispiele von privat finanzierten Sakralbauten –stimmte die Wandere auf ihren Weg ein.

Bevor es dann mit dem Bus zurück nach Maribor ging, war ein Besuch des Baumwipfelpfads mit dem mächtigen Turm angesagt. Jeder mag hohe Naturpfade auf Holzbeinen, da sie es ermöglichen, den Bäumen und der Tierwelt des Waldes ein bisschen näher zu kommen.

Am nächsten Tag starteten die Friedenswanderer nach einer Andacht vom Domplatz aus durch den Stadtpark hinauf auf den Pyramidenberg und den Kalvarienberg. Oben angekommen wurde die Gruppe mit einem wundervollen Ausblick auf die Hänge der Weinberge und weiter über die ganze Stadt belohnt. Daher ist Pyramida ein beliebter Ausflugspunkt der Mariborer und vieler anderer Besucher.

Nach dem Mittagessen ging es an der Drava (Drau) zurück nach Maribor. Unterwegs stieß man immer wieder auf schöne Plätze, alte Wehrtürme, die große Domkirche und das Haus der alten Rebe, an dem die älteste edle Weinrebe wächst. Mit dem Alter von mehr als 400 Jahren, ist sie im Guinness-Buch der Rekorde eingetragen

Bevor es dann zum Abschiedsabend mit Ehrungen und Übergabe des Friedensbanners an die Ausrichter der 54. Friedenswanderung 2023 in Aschendorf-Ostfriesland ging, feierten die Friedenswanderer mit dem Generalpräses des Internationalen Kolpingwerkes, Msgr. Christoph Huber einen eindrucksvollen Abschlussgottesdienst in der Franziskanserkirche. Ein prächtiges neoromanisches Gebäude, das in der Stadt am meisten auffällt.

In seiner Predigt betonte Huber: „Wir sind gewandert unter dem Leitwort einer Friedenswanderung. Wir bitten in dieser Zeit um den Frieden hier in Europa und überall dort, wo Krieg, Bürgerkrieg, Not und Vertreibung geschieht.“ Mit dieser Begegnung hier würde ein Stück Frieden geschaffen, in dem man sich kennenlernt, Freundschaften schließt, die tragen auch in der Situation von Not und Konflikt. Sein Schlussappel: „Im Zusammenhalt ist die Macht! Bleiben wir diesem Grundsatz treu. Stehen wir zusammen und senden wir diese Botschaft an die Welt!“

Josef Wachtler

 

Auf dem Gruppenbild: Die Bamberger Teilnehmer mit dem Generalpräses Christoph Huber (rechts)